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sr. Birgitta OSB
„Kommt einander in gegenseitiger Achtung zuvor.“ (Röm 12,10; RB 72,4) Achtung vor dem anderen, eine elementare Form der Nächstenliebe. |
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Im 72. Kapitel der RB, dem Kapitel, in dem der hl. Benedikt das, was ihm besonders wichtig ist, noch einmal zusammenfasst, steht das Wort, das er wörtlich aus dem Röm.- Brief übernommen hat: „Kommt einander in gegenseitiger Achtung zuvor.“ (Röm 12,10)
In unseren Überlegungen wollen wir zunächst das Wort „gegenseitig“ weglassen. Dann heißt das Wort in etwa: „Bringt dem anderen Achtung entgegen“ oder wie ein anderes Wort der RB heißt: „Alle Menschen ehren!“ (RB 4, 8) Das ist eine Forderung, der wir nur bruchstückhaft entsprechen.
Bevor wir uns der Frage zuwenden, weshalb das so schwierig ist, wollen wir einen Augenblick inne halten und uns an wenigstens eine Situation zu erinnern versuchen, in der wir Achtung erfahren haben, und an eine, in der wir nicht geachtet wurden, in der wir Missachtung erfahren haben.
Die Erfahrung von Achtung ist lebensförderlich, aufbauend, die Erfahrung von Missachtung ist fast immer lebenshinderlich. Sie lähmt Kräfte oder weckt aggressive Kräfte, die nur dann nicht zerstörerisch wirken, wenn der betreffende Mensch die innere Kraft hat, sie in positive Energie umzuwandeln. Aber meist löst Missachtung Wut oder Rachegedanken aus.
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Wir wollen uns dem Thema nun in sechs Schritten zu nähern versuchen.
1. Die natürliche Tendenz des Menschen, jemandem Achtung entgegen zu bringen
Wir sind durchaus dazu bereit und fähig, Menschen Achtung entgegen zu bringen, aber nur bestimmten Menschen, nicht allen. Von Natur aus neigen wir dazu dem Achtung und Ehre entgegenzubringen, der etwas darstellt, der Ansehen hat, einen Namen, der Macht und Einfluss besitzt. Schon Benedikt schreibt in seinem Gastkapitel: „Das Auftreten der Reichen verschafft sich ja von selbst Beachtung.“ (RB 53,15) Es gibt psychologische Experimente, die das auch für uns heutige Menschen voll bestätigen. Wenn man eine Umfrage machen würde, ob man einem Menschen, der in einer Telefonzelle Geld liegen gelassen hat, dieses Geld zurückgeben soll, wenn man es findet, und er einen danach fragt, würden die allermeisten Menschen sagen „ja selbstverständlich“. In Wirklichkeit verhielten sich die Menschen aber anders. War der oder die, die das Geld liegen gelassen hatte, gut gekleidet und hatte eine entsprechend gehobene Sprache, gaben ihm 85 % der zufällig nach ihm Telefoniereden das Geld zurück, 15 % behaupteten, sie hätten kein Geld gefunden und behielten es. War der oder die, die das Geld liegen gelassen hatte, ärmlich gekleidet und fragte nach dem Geld in Mundart, erhielten sie nur in 45% der Fälle ihr Geld zurück in 55% der Fälle nicht, obwohl sie es notwendiger gebraucht hätten als die gut gekleideten Personen.
Warum nicht? Den ärmlich Gekleideten fühlten sich die nach ihnen Telefonierenden überlegen. Sie achteten sie nicht, sie dachten sich: Was kann der oder die mir schon machen, wenn ich ihm/ihr das Geld nicht zurückgebe? Ich denke gar nicht daran. Er/sie hat es ja liegen gelassen, es ist seine/ihre Schuld. Den gut Aussehenden gegenüber traut man sich nicht, so zu denken. Man fühlt sich ihnen unterlegen und tut wie von selbst, was sie von einem erwarten, in diesem Fall das Geld zurückzugeben.
Dieses Beispiel zeigt, dass die Tatsache, ob wir einen Menschen ehren, ihm Achtung entgegenbringen, unser konkretes Verhalten im Alltag entscheidend beeinflusst. Und ob wir einen Menschen ehren, hängt von seinem Ansehen, von seinem Status, ab. |
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Christus und Menas Koptische Ikone |
2. Jesu Weise, den Menschen Achtung entgegen zu bringen
Jesus hat in Wort und Beispiel gegen diese Haltung des „Unterschiede Machens“ den Menschen gegenüber eindeutig Stellung bezogen. Er hat eine neue Grundordnung gefordert und vorgelebt, eine, in der jedem Menschen Achtung und Ehre entgegen gebracht wird.
Als Jesus bei einer Einladung merkte, dass sich die Geladenen die Ehrenplätze aussuchten, empfahl er ihnen, sich auf die untersten Plätze zu setzen, weil sie nicht wissen könnten, ob jemand eingeladen ist, der vornehmer ist als sie. Und dann wandte er sich an den Gastgeber mit den Worten: „Wenn du mittags oder abends zu einem Festmahl einlädst, so lade nicht deine Freunde oder Brüder oder reiche Verwandte oder Nachbarn ein, damit sie dich wieder einladen, nein, wenn du ein Gastmahl gibst, lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein, ... (Lk 14,12-13) Das heißt in unserem Zusammenhang: Gib denen die Ehre einer Einladung, die nach den üblichen Vorstellungen dieser Welt niemals zu einem Festmahl eingeladen werden.
Jesus selbst verhält sich sauf diese Weise: Vor dem letzten Mahl mit seine Jüngern steht er vom Mahl auf und wäscht jedem der Jünger die Füße (vgl. Joh 13,4-5), auch Judas, und er sagt zu ihnen: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr nennt mich Herr und Meister, und ihr sagt mit Recht so, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch getan habe.“ (Joh 13, 12-15) Das heißt: Jesus verhält sich seinen Jüngern gegenüber so, als wenn sie Herren wären, denen Ehre und Achtung gebührt. Er tut dies nach all den Enttäuschungen, die er mit ihnen während der drei gemeinsamen Jahre erlebt hat. Und er erwartet von seinen Jüngern, von uns, dass wir uns unseren Mitmenschen gegenüber ebenso verhalten, ihnen innerlich (mit dem Herzen) Achtung, Ehre entgegenbringen und ihnen dies auch konkret durch unser Tun zeigen. Das ist das „neue Gebot“, das Jesus uns gegeben hat in seiner elementaren Form. Zum „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Mt 19,19) gehört als Voraussetzung, dass ich dem Anderen zumindest Respekt, Achtung entgegen bringe, also ihn anschaue, ihm zuhöre, ihn ausreden lasse, ihm höflich begegne. |
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3. Grundlage für die Achtung jedes Menschen schon im ersten Testament
Schon das erste Testament enthält die entscheidende Grundlage für die Achtung vor jedem Menschen. In der Antike galt im Westen wie im Osten und Süden, dass der Kaiser, der König, der Pharao „Sohn Gottes“ war, dem Ehre gebührte. Der gewöhnliche Mensch und sein Leben hatte dagegen keine Bedeutung, zählte nicht. Doch im ersten Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis heißt es: „Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich... . Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,26-27) Jeder Mensch - für damalige Vorstellungen unerhört - auch jede Frau ist Bild Gottes, ist Gott ähnlich, trägt göttliches Leben in sich, das auch nach dem Tod weiterlebt, ist wie die Kaiser und Pharaonen ein „königlicher Mensch“, dem Ehre gebührt noch über den Tod hinaus.
In einem heutigen Bild ausgedrückt, heißt das: Jeder Mensch ist kostbarer als z.B. 100 Weltraumschiffe. Er und sein Leben ist unbezahlbar. Jeder Mensch ist einmalig und zu ewigem Leben berufen. Diese Sicht des Menschen setzte sich im Ersten Testament allmählich durch, wurde im Zweiten Testament und im Christentum allgemeines Gedankengut, und hat - weit über den Raum des Christentums hinaus - zur Formulierung der „Menschenrechte“ geführt. Diese werden zwar leider im politischen Leben immer wieder missachtet und übertreten, aber bis jetzt besitzen sie bei allen internationalen Gemeinschaften grundsätzlich Geltung, so dass in ihrem Namen gegen alle Formen der Verletzung der Menschenwürde protestiert und Hilfe angeboten werden kann. |
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4. Gegenseitige Achtung in der frühen Kirche
Besonders intensiv wurde die Gleichheit aller vor Gott in der frühen Kirche erlebt. Eine der entscheidenden Verwandlungen durch die Taufe vom „alten“ zum „neuen Menschen“ bestand im glaubensmäßigen Vollzug dieser neuen Gleichheit, die ihre Wurzeln in der Einheit jedes Getauften mit Christus hat. Diesen Vorgang kann man sich etwa folgendermaßen vorstellen: Vor der Taufe lebte z.B. ein gebildeter Römer in dem Bewusstsein, dass er „dignitas“ = „Würde“ besitzt wegen seiner gehobenen, sozialen Herkunft, seiner Tüchtigkeit, seines Grundbesitzes und Vermögens und wegen seiner moralischen Integrität. Und wegen dieser seiner „dignitas“ erwartete er „honor“ = „Ehre, Achtung“, die ihm auch entgegengebracht wurde.
In der Taufe legte er - zusammen mit seiner Vergangenheit - diesen von seiner Herkunft und seinen Verdiensten stammenden Anspruch auf Ehre ab. In der Taufe erwarb er eine neue Ehre, nämlich die, Sohn /Tochter Gottes zu sein. Diese neue Ehre beruhte nicht auf eigenen Verdiensten. Sie wurde ihm in der Taufe geschenkt, nämlich die Ehre, durch die Erlösungstat Jesu Christi noch realer als durch die Schöpfung „Sohn/Tochter Gottes“ und „Bruder/Schwester Jesu“ zu sein; das heißt, schon jetzt am göttlichen Leben teilzuhaben. Das ist eine ungeheure Würde. Aber sie kommt nicht nur einem Menschen zu, sondern allen, die getauft wurden, unter Umständen auch dem eigenen Sklaven. Alle Getauften, alle die als Christen den Namen Christi trugen, alle mit Christus Vereinten, erlebten sich wie Brüder des einen gemeinsamen Vaters. Das Wort „Bruder“ für den Mitchristen kam in den frühen Christengemeinden auf. Es war wie ein Ehrenname für jeden Getauften, über den sich die sog. Heiden lustig machten. Wie kann ein römischer Senator einen Handwerker „Bruder“ nennen? Die Christen dagegen erlebten diese von Gott geschenkte Brüderlichkeit als eine wunderbare, neue Wirklichkeit.
Paulus war ganz erfüllt von ihr, wenn er sagt: Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person.“ (Röm 2,11; Eph 6,9) Und wir dürfen ergänzen, wie sonst überall auf der Welt, in der Unterschiede zwischen den Menschen gemacht werden. Und im Gal.-Brief sagt Paulus: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau. Denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28) Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint: Selbstverständlich gibt es Unterschiede zwischen Juden und Griechen, Sklaven und Freien, Männern und Frauen. Es gibt sogar Unterschiede innerhalb der Gruppe der Männer und innerhalb der Gruppe der Frauen, um nur diese zu nennen. Die Unterschiede von Begabungen und Schicksalen bleiben bestehen. Aber was sich durch die Taufe verändert hat, ist die Vorstellung, dass es auf diese Unterschiede nicht ankommt. Sie sind bedeutungslos geworden angesichts der gemeinsamen Zugehörigkeit zu Christus, des Eingegliedertseins in seinen Leib, an dem alle teilhaben. Deshalb formuliert Paulus im Röm.-Brief: „Kommt einander in gegen- seitiger Achtung zuvor.“ (Röm 12,10)
Dieses Bewusstsein einer geschenkten, neuen Gleichheit in Christus war in der frühen Kirche wirklich stark und prägend. Es hat zwar die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht verändert; das Christentum hat die Sklaverei nicht abgeschafft, aber es hat eine neue Atmophäre des gegenseitigen Umgangs geschaffen. So schreibt Paulus an Philemon: „Ich bitte dich für Onesimus, [einen Sklaven] dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. ... Vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhälst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wieviel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn.“ (Phil 10; 15-16)
Sobald der Sklave, der Fremde, der Obdachlose, der Andersartige „als Bruder/als Schwester“ wahrgenommen wird, hört das „von oben herab“ auf, schaut man ihn/sie an, schenkt man ihm/ihr „Ansehen“, kommt es zum Blickkontakt und damit zur Begegnung von Mensch zu Menschen. |
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5. Gegenseitige Achtung in der Benediktsregel
Der hl. Benedikt macht in seiner Mönchsgemeinde ernst mit dem in der Urkirche angestrebten Ideal der Rang-Gleichheit aller Christen. In Montekassino gab es gebildete, vornehme und wohlhabende Römer ebenso wie ungebildete Germanen und Hunnen, die nicht einmal den eigenen Namen schreiben konnten. Benedikt will, dass diese sozialen Unterschiede in seinem Kloster keine Rolle spielen. Selbst die Priester sollen sich der Regel in allem unterordnen. Wörtlich sagt er: „Er (der Priester) nehme sich nichts heraus und handle nie ohne Auftrag des Abtes. Er weiß ja, dass gerade er sich der Zucht der Regel zu fügen hat.“ (RB 62,3).
Allerdings führt Benedikt eine andere, neue Rangordnung ein, die der Stunde der Berufung. Gott selbst bestimmt, wann er einen Menschen zum klösterlichen Leben beruft, nicht der Mensch. Aber der, an den der Ruf früher erging, ist – unabhängig von seinem Lebensalter oder anderen Kriterien - dem vorgeordnet, der den Ruf später erhielt. Die Rangordnung der Berufung bestimmt im Kloster den Platz, den der einzelne Mönch im Chor (in der Kirche) und im Refektorium (bei Tisch) hat. In diesem Zusammenhang spricht Benedikt von „Älteren“ und „Jüngeren“, wobei die Älteren die früher Berufenen und die Jüngeren die später Berufenen sind. Von ihnen erwartete er unterschiedliche Haltungen. Er sagt: „Die Jüngeren sollen die Älteren ehren, die Älteren die Jüngeren lieben.“ (RB 63, 10)
Hier taucht bei den „Jüngeren“ das Wort „ehren“ auf. Sie, die neu ins Kloster kommen, sollen eine Kultur des achtsamen Umgangs, des höflichen Verhaltens erlernen und einüben, z.B. aufstehen, wenn ein Älterer den Raum betritt, den Älteren mit dem vollen Namen ansprechen und anderes. Die Älteren sollen dagegen die Jüngeren nicht nur ehren, sondern „lieben“. Hier wird deutlich, was wir schon eingangs sagten, dass das Ehren eine elementare Form der Liebe ist. Wenn ich jemanden achte, ehre, erkenne und respektiere ich seine Würde, gehe ich gut mit ihm/ihr um, aber es bleibt zwischen uns eine gewisse Distanz bestehen, wie sie für den neu Hinzukommenden angemessen ist. Wenn ich dagegen jemanden liebe, gebe ich diese Distanz auf, wende mich ihm offen zu und bin dadurch selbst verletzbar. Vom älteren, reiferen Mönch erwartet Benedikt diese Haltung der Liebe, die den Jüngeren als den ebenfalls von Gott Gerufenen selbstverständlich ehrt, aber sich ihm auch offen und herzlich zuwendet, sich ihm in gewissen Weise aussetzt, damit er hineinzuwachsen vermag in die Wirklichkeit des „invicem“, der „Gegenseitigkeit“ von Achtung und Liebe.
Benedikt ist davon überzeugt, dass das „honorare“, das „Ehren“, das allen Menschen gebührt, sich im Laufe des Klosterlebens in eine Bewegung der Liebe zu verwandeln vermag. Das bringt er in folgender Formulierung zum Ausdruck: „Diesen guten Eifer sollen die Mönche mit glühender Liebe in die Tat umsetzen, das bedeutet: Sie sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen ... .“(RB 72,3-4) In dem Wort „einander zuvorkommen“ ist eine aktiv auf den anderen zugehende Bewegung gemeint, die freiwillig, gerne und mit ganzem Herzen vollzogen wird. Das aber ist die Bewegung der Liebe, die dann auch bereit ist, „die körperlichen und charakterlichen Schwächen (des Mitbruders) mit unerschöpflicher Geduld zu ertragen“(RB 72, 5), wie Benedikt im Kapitel 72 unmittelbar fortfährt. Eine solche Liebe ist ohne Achtung und Ehrfurcht vor dem Anderen nicht möglich.
Benedikt empfielt zunächst konkrete, relativ leicht zu vollziehende Formen gegenseitiger Achtung. Aber er vertraut darauf, dass der Mönch im Laufe seines klösterlichen Lebens neue Formen gegenseitiger Achtung entdeckt, die immer „selbstvergessener“ werden, immer mehr von der inneren Aufmerksamkeit und Zuwendung zum Anderen geprägt sind und immer stärker den Charakter gegenseitiger Liebe annehmen.
6. Achtung und gegenseitige Achtung im Leben von Christen
Vergleichbares gilt natürlich für alle Christen. Das „Alle Menschen ehren!“ gilt wirklich allen Menschen gegenüber, weil sie Menschen, Geschöpfe Gottes, sind, nach seinem Bild geschaffen. Es gilt auch, wenn der andere Mensch durch ein schlimmes Schicksal so verletzt wurde und in böse Kreise geraten ist, dass von dem göttlichen Funken in ihm nichts mehr zu merken ist. Gott vermag ihn wieder herzustellen, spätestens nach dem Tod - wenn der Mensch es zulässt. Was sich da zwischen Gott einem solchen Menschen ereignet, ist nicht unsere Sache. Solange ein Mensch hier auf Erden lebt, gilt es, ihm die Achtung entgegen zu bringen, die ihm als Geschöpf Gottes gebührt.
Wenn Christen im Beruf, in Freundschaften, in der Ehe oder in klösterlichen Gemeinschaften Leben miteinander teilen, sollte das „invicem“ gegenseitiger Achtung immer wieder möglich sein und im Laufe des Lebens wachsen. Umgekehrt erleben wir nicht selten, dass wir an dieser Stelle versagen. Vielleicht besteht unsere häufigste Schuld darin, dass wir Menschen, oft gerade die uns nahestehenden Menschen, zu wenig achten, übersehen, vielleicht sogar missachten.
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